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Streitschlichter in der Pestalozzischule Göppingen

 

Seit dem Jahre 2002 sind ausgebildete Streitschlichter eine feste Größe der Schule geworden, die das Schulklima positiv beeinflussen.

Streit zwischen Schülern gehört zum Schulalltag, da hier vielfältige Schülerpersönlichkeiten, verschiedene Interessen, Wünsche und Bedürfnisse aufeinander treffen. Einen Streit von Schülern zwischen Tür und Angel zu schlichten macht wenig Sinn. Ein Problem zu lösen, erfordert Raum, Zeit und Ruhe und keiner der Streitenden soll mit einer Niederlage, die weitere Frustrationen auslöst, nach Hause gehen müssen. Für viele Kinder und Jugendliche ist die Anwendung von Gewalt dass einzige Mittel um Probleme zu lösen, weil sie nie gelernt haben, sich bei Konflikten konstruktiv zu verhalten und Differenzen gemeinsam zu klären.

Bei der Ausbildung zum Streitschlichter werden den Schüler und Schülerinnen notwendige Fähigkeiten und Fertigkeiten vermittelt, die es möglich machen, Streitereien verbal zu lösen. Ausgebildete Streitschlichter helfen streitenden Schülern eine gewaltfreie Konfliktlösung zu finden, die es ihnen ermöglicht, weder als Sieger noch als Verlierer aus einem Streit herauszugehen.

 

Ausbildung der Streitschlichter

Momentan sind fünf ausgebildete Streitschlichter an der Schule tätig. Die Streitschlichter kommen aus den Klassen sieben, acht und neun. Die Ausbildung der Streitschlichter umfasst insgesamt 12 Einheiten von jeweils 90 Minuten. Die Streitschlichter werden schrittweise an ihre zukünftige Arbeit herangeführt. Damit die Gruppe der Schlichter sich gut kennen lernt, beginnen wir jährlich mit einer 3-tägigen Auftaktveranstaltung, dem Baden-Württembergischen Streitschlichter Kongress an der Evangelischen Akademie Bad Boll. An diesen drei Tagen hat die Gruppe die Möglichkeit verschiedene Methoden zur Streitschlichtung kennen zu lernen und kann sich mit Schülern aus anderen Schulen über ihre Arbeit austauschen.

Innerhalb der Schule wird den Schülern mit verschiedenen Methoden und Techniken der Ablauf einer Streitschlichtung vermittelt und geübt. Am Ende der Ausbildung haben die Schüler folgende Fertigkeiten erreicht:

- sie können Konflikte erkennen und analysieren

- ihre Kommunikation gelingt, sie können aktiv zuhören und das Gehörte spiegeln

- sie wissen was Mediation bedeutet und können ein Mediationsgespräch führen

- sie können ein Gespräch einleiten

- sie nehmen die verschiedenen Sichtweisen der Streitenden ernst

- sie helfen den Streitenden den Konflikt zu erhellen, indem sie über Gefühle, Interessen und Hintergründe des Streites reden

- sie suchen gemeinsam mit den Streitenden nach einer Lösung des Konflikts

- sie treffen mit den Streitenden eine Übereinkunft bei der keiner als Verlierer oder Schuldiger da steht

 

Erfahrungsgemäß wächst die Kompetenz der Streitschlichter mit vielen Schlichtungen über mehrere Jahre. Die neuen Streitschlichter werden deshalb bereits im zweiten Schulhalbjahr der siebten Klasse ausgebildet. Sie haben so die Möglichkeit in Erfahrungsaustausch mit geübten Streitschlichtern zu gehen und sind dann ab der achten Klasse sicher und selbstständig bei der Lösung von Konflikten und als Streitschlichter in der Schule anerkannt. Die Streitenden dürfen sich die Streitschlichter selbst aussuchen. Geschlichtet wird je nach Anfrage in den beiden großen Pausen um 9.05 Uhr oder um 10.55 Uhr in einem kleinen, gemütlichen Zimmer. Die Streitenden unterzeichnen nach der Schlichtung einen Vertrag, in dem festgelegt wird, an welche Vereinbarungen sie sich halten sollen, damit es nicht erneut zu Konflikten kommt. Der Vertrag wird nach einer Woche gemeinsam mit den Streitschlichtern überprüft, um dann entschieden ob die Schlichtung erfolgreich war oder ob neue Vereinbarungen getroffen werden müssen.

Die Streitschlichter werden sozialpädagogisch betreut. Es findet einmal pro Woche ein Treffen zum Erfahrungsaustausch statt.